Archiv der Kategorie: Maschinelle Übersetzung

Übersetzen und Star Trek – Teil 2: Die Grenzen des Universalübersetzers

Aufmerksamen Zusschauern der Star Trek-Folgen ist die Bedeutung des Universalübersetzers nicht entgangen. Er sorgt dafür, dass sich Spezies, die verschiedene Sprachen sprechen, verstehen und miteinander kommunizieren können. (Siehe auch „Universalübersetzer“ in unserer Star-Trek-Serie.)

Doch auch der Universalübersetzer stößt an Grenzen, so geschehen in der Folge Darmok der Serie Raumschiff Enterprise – Die nächste Generation. Captain Picard und seine Mannschaft treffen hier auf ein Schiff der Tamarianer, einer bislang kaum bekannten Spezies. Doch die Kommunikation klappt auch jetzt, fast 100 Jahre nach dem ersten Kontakt mit ihnen, alles andere als reibungslos. Denn der Universalübersetzer ist zwar in der Lage, die Worte als solche zu übersetzen, aber ihr Sinn bleibt ungewiss.

Erst im Verlauf der Folge findet Counselor Troi, die Schiffspsychologin, heraus, dass die Sprache der Tamarianer auf Metaphern basiert. So steht die Metapher „Shaka, als die Mauern fielen“ für „einen Fehlschlag erleiden“. Es stellt sich auch heraus, dass die Metaphern auf der tamarianischen Mythologie basieren, die kein Teil der Programmierung des Universalübersetzers ist. Es ist wohl darauf zurückzuführen, dass er deshalb zwar die Worte als solche, nicht aber ihren Sinn widergeben kann.

Die Problematik dieser Episode erinnert teilweise an maschinelle Übersetzungen in unserer heutigen Zeit. Hier ist es bisher auch so, dass zwar die Worte des Ausgangstexts übersetzt werden, aber diese oftmals nur teilweise bis gar keinen Sinn ergeben. An dieser Stelle passiert dasselbe wie in der oben beschriebenen Star-Trek-Folge: Ein Mensch kümmert sich darum, die zunächst sinnlos erscheinende Übersetzung so zu bearbeiten, dass sie am Ende einen Sinn ergibt. Ohne menschliches Zutun funktionieren Übersetzungen nicht. Deshalb ist es sinnvoll, sich in der Gegenwart einen Übersetzer zu leisten – so wie der Captain der Enterprise sich ganz bestimmt darum kümmert, die Metaphern der tamarianischen Sprache und deren Bedeutung in den Universalübersetzer einzugeben.

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Übersetzen und Star Trek – Teil 1: Der Universalübersetzer

Star Trek zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass es sich Themen annimmt, die in anderen Science-Fiction-Serien nur eine kleine oder keine Rolle spielen. Dazu gehört auch auch die Frage, wie die verschiedenen Spezies in den Serien und Filmen miteinander kommunizieren. Dass alle das Englische der Erde sprechen, ist nicht anzunehmen.

In StarTrek bedienen sich die Macher daher eines kleinen Tricks, vielmehr eines Geräts namens Universalübersetzer, auch Universaltranslator genannt.  In diesen sind die Grundstrukturen bekannter Sprachen einprogrammiert. Bei Gesprächen mit Angehörigen anderer Spezies wandelt er die Sprache des Sprechenden in die des Gegenübers um. Dazu gehört auch die Dämpfung der Heimatsprachen der Sprechenden, sodass nur noch die gedolmetschte Version zu hören ist. Zudem bleiben die Stimmcharakteristika erhalten, sodass Emotionen wie Zorn, Wut, Freude oder Trauer auch in der gedolmetschten Fassung immer noch transportiert werden.

Neben dem reinen Dolmetschen bekannter Sprachen kann der Universalübersetzer auch Matrizen bislang untbekannter Sprachen erstellen. Dazu benötigt er umfangreiches Sprachmaterial.  Das einfachste Mittel zur Erlangung diesen Materials ist, die Leute reden zu lassen. Der Universalübersetzer nimmt diese Informationen auf, analysiert es und erzeugt daraus eine Übersetzungsmatrix. Mit dieser ist es dann möglich, mit den Sprechern dieser neuen Sprache zu kommunizieren.

Interessant ist die auch Tatsache, dass sich der Universalübersetzer in der Zeitlinie des Star-Trek-Universums entwickelt. So ist der Universalübersetzer im 22. Jahrhundert – zur Zeit der fünften Serie Star Trek: Enterprise – noch ein etwa taschenlampengroßes Gerät. Im 23. Jahrhundert, zu Zeiten des berühmten Captain Kirk, sieht der Universalübersetzer wie ein aufklappbares Handy aus, während er im 24. Jahrhundert schon so klein ist, dass er bei der Sternenflotte im Kommunikator integriert ist.

Bei anderen Spezies hat der Universalübersetzer andere Bauformen. Bei den Ferengi, einer nur nach Profit strebenden Spezies, sitzt er etwa direkt im Ohr.

Eines scheint in der Star-Trek-Zeit immer noch so zu sein wie heute: Übersetzen und Dolmetschen wird gerne verwechselt. Sonst würde der Universalübersetzer eher Universaldolmetscher heißen, denn seine Aufgabe ist es ja – wie bei Dolmetschern heute – die gesprochene Sprache zu übertragen und nicht wie beim Übersetzen die geschriebene.

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Der einzigartige Babelfisch

Blogwichteln im Texttreff  Liebe Leserinnen und Leser, heute habe ich das große Vergnügen, einen Beitrag der wunderbaren Texterin Livia Grupp im Rahmen der Blogwichtelaktion im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen, im   Traduteca-Blog veröffentlichen zu dürfen. Liebe Livia, ich danke Dir sehr für Deinen kurzweiligen und allzu wahren Beitrag!

Der einzigartige Babelfisch

Dem Babelfisch – „probably the oddest thing in the universe“ – begegnete ich erstmals in Douglas Adams‘ Per Anhalter durch die Galaxis. Dieses vielleicht eigenartigste Ding im Universum fand ich wunderbar. Es übersetzt sofort, was jemand sagt, ob Alien oder nicht, egal welche Sprache. Falls es ihn gäbe, könnte er für das Ende der Babylonischen Sprachverwirrung sorgen.

Aber er ist noch unentdeckt, der Babelfisch! Und es gibt zum Glück noch Übersetzer.

Dabei versucht die Technik alles. Ganz mutig und lustig wurde sogar eins der ersten kostenlosen Übersetzungsprogramme im weltweiten Web „Babel Fish“ getauft. Und es klang aufregend: Einfach einen Text in ein Feld einfügen, dann auf ‚Übersetzen‘ klicken und Schwuppdiwupp war eine Übersetzung da.

Nun, es gab natürlich einen Haken: Die Übersetzungen waren bisweilen ziemlich grottig, um nicht zu sagen grotesk. Und die erzeugten Texte – konnte man sie überhaupt Texte nennen?

Mit Sprache spielen

Es war schnell zu erahnen, dass es ohne menschliche Übersetzer einfach nicht gehen würde. Und das ist auch heute noch so. Denn immer braucht es jemanden, der anspruchsvolle Sprache in die Fremdsprache überträgt. Selbst mit Einsatz technischer Hilfsmittel braucht es immer noch jemanden, der korrigierend eingreift und die maschinell erzeugten Übersetzungen überarbeitet. Mensch schlägt Maschine.

Die Babel Fish Anwendung gehörte seinerzeit zum Angebot von Altavista, dann machte sie einige Jahre Karriere auf Yahoo. Nun wurde sie Mitte 2012 eingestellt. Yahoo leitet die Nutzer seither jedenfalls zum Bing-Translator von Microsoft um. Mit Google hat ein weiterer großer Anbieter seinen eigenen Übersetzungsdienst.

Und diese automatischen Übersetzungen sind vielleicht sogar brauchbar. Teilweise, je nachdem… Ich finde sie hilfreich für einen schnellen Überblick über fremdsprachige Inhalte. Ganze Webseiten können ‚Surfer‘ sich mit einem Klick kostenlos übersetzen lassen.

Die Nutzer müssen allerdings Abstriche in Kauf nehmen, denn:

  • die Sprache ist nicht schön,
  • die Texte sind nicht leicht zu lesen,
  • es können grammatische und inhaltliche Fehler auftreten
  • die Texte können unfreiwillig komisch sein

Mit dem ganzen Reichtum der Sprache spielen – das kann nur ein Mensch. Es muss Ihnen also gar nicht Spanisch vorkommen, mein lieber Herr Gesangsverein, dass der Google Übersetzer die Redewendungen so gnadenlos übersetzt:

 “So you must not happen Spanish, my dear glee club.” oder

 “Por lo que no debe suceder españoles, mi querido club Glee.

Oder wie würden Sie das übersetzen? Der Automat weiß jedenfalls nicht, dass es in dem Text weder um die spanische Sprache, noch um einen Gesangsverein geht.

Babelfisch-Zeichnung von Livia Grupp

Babelfisch-Zeichnung von Livia Grupp

 Mit Sprache arbeiten

Übersetzungsprogramme arbeiten mit komplizierten Algorithmen, Suchfiltern, Datenbanken und Wörterbüchern sowie einem riesigen Fundus an      mehrsprachigen Webinhalten. Wahrscheinlichkeiten werden damit errechnet, aber nicht interpretiert.

Für Unternehmen ist die professionelle Dienstleistung eines Übersetzers daher kaum zu ersetzen. Anspruchsvolle Businesstexte, auch Werbetexte gehören dazu, erfordern ebenso wie literarische Werke ein Gefühl für die Feinheiten der Sprache und ihrer Ausdrucks- und Interpretationsmöglichkeiten, und dies in der Ausgangssprache ebenso wie in der Zielsprache. Auch fachsprachliche  Kenntnisse kann ich bei einem Automaten einfach nicht voraussetzen.

Und der Babelfisch? Die Domains babelfish.de und babelfish.com sind inzwischen von verschiedenen Anbietern belegt. Aber die Qualität der Übersetzung wird anscheinend nicht besser, my dear Mr. Singing-Club.

Mit freundlicher Genehmigung von Livia Grupp

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