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37. Türchen: Dreikönigstag

Heute ist er da der große Geschenketag in Spanien!

Nachdem die Kinder gestern nach den Dreikönigsumzügen früh ins Bett gegangen waren, finden sie heute ihre Geschenke vor, auf die sie fast 2 Wochen länger warten mussten als die Kinder u.a. in Nord- und Mitteleuropa. Außer die Kinder waren nicht lieb. Dann bekommen sie ein Stück Kohle (meist ein schwarz eingefärbtes Stück Zucker) geschenkt, das in etwa die gleiche Bedeutung hat wie hierzulande die Rute. (Die Kohle kennen wir ja bereits u.a. Olentzero.)

Außerdem kommen heute die Heiligen drei Könige – in lutherischen Gegend die Weisen aus dem Morgenland – an der Krippe an. Das bedeutet, dass die Krippen um die Heiligen drei Könige ergänzt werden. Ihr Auftauchen wird mit dem Erscheinen Jesu gleichgesetzt, weshalb der 6. Januar auch als Epiphanias (Griech. für „Erscheinung“) bezeichnet wird. In Spanien wird diesem Tag eine große Bedeutung beigemessen, weshalb auch heute ein offizieller Feiertag ist und die Geschäfte geschlossen bleiben.

Auch in Spanien gibt es die Tradition eines Dreikönigskuchens, dem Roscón de Reyes (und in Katalonien Tortell de Reis, Königskuchen). Es handelt sich dabei um einen ringförmigen Kuchen aus süßem Hefeteig, der meist mit kandidierten Früchten belegt es. Es gibt den Kuchen ohne Füllung oder mit Sahne-, Marzipan- oder Trüffelfüllung.
In den vergangenen Jahren ist in Spanien auch der Brauch des Bohnenkönigs wieder lebendiger geworden. Wer im Dreikönigskuchen eine Bohne findet, muss den Kuchen für alle anderen bezahlen. Wer dagegen Glück hat und ein Porzellanfigürchen findet, ist für einen Tag Königin bzw. König der Familie. Man nimmt an, dass diese Tradition ursprünglich auf die römischen Saturnalien zurückgeht. Dies ist allerdings nicht sicher, da zwischen der letzten Erwähnung der Saturnalien im 5. Jahrhundert bis zur ersten Erwähnung des Bohnenkönigs im 13. Jahrhundert immerhin 800 Jahre vergangen sind.

Nun ist auch in Spanien die Weihnachtszeit vorbei und beginnt frühestens in zehneinhalb Monaten, Anfang Dezember wieder. Bis dahin möchte auch ich mich verabschieden und bedanke mich bei allen Lesern, die sich über diesen verlängerten Adventskalender gefreut haben. Im Dezember geht es mit einem neuen Adventskalender weiter – und bis dahin werde ich wieder zu Übersetzungsthemen zurückkehren. Ich hoffe, dass Ihnen/Euch diese genauso gefallen.

Bis bald!

 

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35. Türchen: Die Weisen aus dem Morgenland

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: ‚Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.‘“ (Mt. 2)

So beginnt die biblische Geschichte zu den drei heiligen Königen in der Bibel, im 2. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Sie sind der Grund, warum es in Spanien traditionell erst am 6. Januar Geschenke gibt. Es wird gesagt, sie seien am 24. Dezember, am Geburtstag Jesu, losgezogen und wären schließlich am 6. Januar angekommen, um ihre Geschenke zu überbringen.

Um die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag zu überbrücken, insbesondere für die Kinder, nehmen viele Spanier wieder die für die spanische Adventszeit so wichtige Krippe zur Hilfe. Die in den Krippen ebenfalls dargestellten heiligen drei Könige, werden ab dem 24. Dezember jeden Tag ein Stück näher an die Krippe gerückt, bis sie sie am 6. Januar schließlich erreicht haben. Dadurch wird der Weg der Könige spielerisch nachgezeichnet und zudem die Zeit bis zu den Geschenken verkürzt.

Doch dieses heranrücken hat auch eine christlich-religiöse Bedeutung, denn der 6. Januar gilt auch als Epiphanias, als Erscheinen Jesu, woran die Heiligen drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland ihren Anteil hatten. Denn sie sind die ersten „Ausländer“, welche das Jesuskind sehen und als christlichern Retter anerkennen – siehe das Zitat am Anfang dieses Beitrags.

Übrigens: Im ursprünglich griechischen Text des Matthäus-Evangeliums werden die heiligen drei Könige als Μάγοι, Magoi (wörtlich „Magier“) bezeichnet. Die „Könige“ sind Teil einer Legende, die ab dem 3. Jahrhundert verebietet wurde. Zu den „Weisen aus dem Morgenland“ wurden sie erst durch Martin Luther, weil er die „Könige“ nicht in der Bibel fand und daher die magoi als „Weise“ interpretierte.

Bis morgen!

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34. Türchen: Weihnachten Kurz-Revival

Weihnachten und Silvester sind schnell vorüber gegangen, das neue Jahr ist bereits da. Und doch ist bisher nicht genug Zeit geblieben, über kleinere, regionale Besonderheiten des Weihnachtsfests in Spanien zu schreiben. Das soll heute nachgeholt werden.

Der Anguleru

Nachdem der Apalpador aus Galicien, der Olentzero aus dem Baskenland bzw. Navarra sowie der Esteru aus Kantabrien bereits vorgestellt wurden, reisen wir heute zunächst nach Asturien. Dort kommt am heiligen Abend der Anguleru, auf Asturisch L’Anguleru und auf Spanisch El Angulero. Dem asturischen Volksglauben nach lebt der Anguleru in der Sargassosee in der Nähe Amerikas und kommt jede Weihnachten, um den Kindern Geschenke zu bringen.

Sein Ursprung liegt wahrscheinlich in der Aalfischerei. Die Aalfischer, die anguleros, setzten zu Weihnachten einen Teil ihres Gewinns ein, um den Kindern Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Daher ist der Anguleru derjenige, der die Geschenke „angelt“ und sie unter den Kindern verteilt, denn um das Weihnachtsfest herum ist die Zeit, zu der es am meisten Aale gibt.

Der Tientapanzas

Wir reisen weiter nach Andalusien, genauer gesagt in die Stadt Écija am Río Genil zwischen den beiden andalusischen Metropolen Córdoba und Sevilla in der Provinz Sevilla. Dieser Teil Spanien wird auch als Bratpfanne Andalusiens bezeichnet. Hier in Écija kommt zu Weihnachten der Tientapanzas. 2004 kam er, nachdem er jahrzehntelang in Vergessenheit geraten war, wieder zurück. Die älteren Mitbürger, die sich noch an den Brauch älterer Zeiten erinnern, erzählen den Kindern vom Tientapanzas, um sie zum Essen zu bewegen. Denn der Tientapanzas kommt zu Weihnachten und streicht den Kindern während des Schlafens über den Bauch, um zu überprüfen, ob sie das Jahr über auch gut gegessen haben. Daher kommt auch Name, denn Span. tentar bedeutet auf Deutsch „ab-, betasten“ und panza heißt „Bauch, Wanst“ (im zoologischen Sinne auch Pansen).

Wer diesen Blog schon länger liest, dem wird aufgefallen sein, dass von einem ähnlichen Brauch bereits die Rede war, nämlich vom Apalpador in Galicien, also am anderen Ende des Landes. Wie kommt das? Dazu müssen wir ein paar Jahrhunderte zurückgehen, als die Region um Écija nach der sogenannten Rückeroberung von den Mauren neu mit Christen besiedelt wurde. Diese Christen kamen vorwiegend aus dem Norden des Landes, sodass sie wahrscheinlich den Brauch des Apalpador mit in die neue Heimat genommen haben. Auf diese Weise könnte der Apalpador zum Tientapanzas geworden sein.

Ich hoffe, der kleine Ausflug hat gefallen.

Bis morgen!

 

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33. Türchen: Churros

Die Silvesternacht liegt hinter uns, der Neujahrstag ist vorüber, aber Churros werden das ganze Jahr über gerne gegessen.

Churros (sprich: [‚tʃuro]) ist ein typisch spanisches, in Öl frittiertes Spritzgebäck, das gerne morgens früh oder in der Nacht auf dem Nachhauseweg verzehrt wird. Sie sind außen kross gebacken, dafür innen sehr zart, allerdings sehr fettreich. Normalerweise werden sie mit Zucker bestreut, es gibt aber auch die Varianten mit Zimt oder Vanillezucker. Verzehrt werden Churros gerne zusammen mit Trinkschokolade, in die sie eingetunkt und danach gegessen werden. Das nennt sich Chocolate con churros, Schokolade mit Churros. Statt Schokolade wird auch manchmal Kaffee genommen, was dann Café con churros heißt.

Dieses Gebäck wird auf vielen öffentlichen Plätzen sowie Märkten und Hauptstraße in ganz Spanien an Ständen verkauft, den sogenannten Churrerías. Hier werden die Churros stückweise angeboten, meistens zu 5, 10 oder 20 Stück pro Tüte. Im Sommer bieten einige Churrerías auch kleine Tischchen an, sodass die Gäste die Chocolate con churros direkt im Freien genießen können. Churros stehen gerne auch auf Speisekarten von Cafés und Restaurants.

Die Tradition als der Churros als Frühstück stammt aus Madrid und entstand irgendwann am Ende des 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts, da ist sich die Forschung bis heute nicht ganz sicher. Sicher ist aber, dass Churros gerne sehr früh am Morgen eingenommen werden – vermutlich ist es deswegen bei späten Heimkehrern von Partys so beliebt, denn Churrerías oder Lokale, die Churros anbieten, öffnen oft schon um fünf oder sechs Uhr morgens.

Von Madrid aus eroberten die Churros bald das ganze Land, wohl auch, weil sie als günstig galten. So ist auch zu erklären, warum dieses Gebäck mittlerweile in ganz Spanien verbreitet und beliebt ist. Es ist so beliebt, dass es für am Neujahrstag als traditionelles Frühstück gilt – auch hier wieder der Hinweis auf heimkehrende Partygänger. Gerade die Variante mit Schokolade wird an Neujahr gerne und viel in spanischen Haushalten gegessen und ist daher für diesen Tag besonders typisch, auch wenn es das ganze Jahr über erhältlich ist.

Außer in Spanien ist eine Art Churros auch in Lateinamerika, Frankreich, der Türkei, Marokko und im Südwesten der USA bekannt.

Wer Appetit bekommen hat, Churros können auch selbst zubereitet werden, hier gibt es 13 Rezepte.

Bis morgen!

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32. Türchen: Das Fest der Messdiener

Os deseo un próspero año nuevo. Ich wünsche Euch/Ihnen ein frohes neues Jahr.

Kaum ist das neue Jahr angebrochen, schon geht es in Spanien mit den Festen weiter. Dieses Mal heißt es Fiesta de los Locos, das Fest der Verrückten, das heute allerdings nicht mehr gefeiert wird. Da das Fest auf den 1. Januar fiel, heißt es auch Fiesta de las Calendas (Fest der Kalenden), denn die Kalenden fallen immer auf den ersten Tag des Monats. An diesem Tag „revoltierte“ der Klerus und macht sich während der Liturgie zum Narren. Es handelte sich dabei allerdings um das sogenannte geistliche Spiel, einer Form, der europäischen mittelalterlichen Theaters. Dieses geistliche Drama, das auf Spanisch drama litúrgico heißt, war ursprünglich Bestandteil der christlichen Liturgie und breitete sich ab dem 10. Jahrhundert von Nordfrankreich über den ganzen Kontinent aus. Es diente seit dem Hochmittelalter zur Heilsverkündigung auf dramatische Art und Weise.

Bereits im 12. Jahrhundert gab es Versuche, diesen Brauch zu unterbinden, zunächst jedoch ohne Erfolg. Erst im 14. Jahrhundert, der Blütezeit des geistlichen Spiels, schaffte die Kirche es, diese Spiele aus der Kirche zu entfernen und auf nicht-kirchlichen Plätzen aufführen zu lassen. Mit dem Aufkommen der humanistischen Renaissance-Kultur zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die wieder römische und griechische dramen in den Vordergrund stellte, erlebte das geistliche Spiel seinen Niedergang.

Seine Blüte hatte es in der spanischen Literatur allerdings noch vor sich, denn erst im Siglo de Oro (16. und 17. Jahrhundert) mit Autoren wie Lope de Vega, Tirso de Molina und Pedro Calderón de la Barca wurde es bekannt und beliebt. Seine wichtigste Form war das Auto sacramental, eine typische spanische des religiösen Theaters.

Heute wird in kirchlichen Kreisen der Beschneidung Jesu am 8. Tag nach seiner Geburt (Weihnachten) gedacht, weshalb der Tag auch vielerorts als Oktavtag bezeichnet und gleichzeitig auch Hochfest der Gottesmutter Maria gefeiert wird.

Bis morgen!

 

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28. Türchen: Der Tag der unschuldigen Kinder

Wissen Sie noch, wie Sie das letzte Mal jemanden in den April geschickt haben? Ja? Und Sie halten sich gerade in Spanien auf? Das passt hervorragend, denn dann können Sie Ihren Aprilscherz vielleicht ein zweites Mal in diesem Jahr ausprobieren.

Bevor das Fragezeichen noch größer wird, am heutigen 28. Dezember sollte man in Spanien besser auf der Hut sein, denn es ist der  Tag Día de los Inocentes (= Tag der unschuldigen Kinder). Dieser entspricht in etwa dem 1. April in Deutschland und ist somit der Tag der Zeitungsenten, Narreteien und Scherze.

Was haben Späße mit unschuldigen Kindern zu tun? Woher kommt dieser Brauch? Er geht zurück auf den Kindermord zu Bethlehem, (vgl. Mt. 2 in der Bibel) beim dem König Herodes alle männlichen Kinder bis zum Alter von 3 Jahren töten ließ, um den Aufstieg des Jesus von Nazaret zu verhindern. Dieses Fest wurde bereits in römischer Zeit begangen, denn bereits 689/90 wurde das Festum puerorum (Lat. für „Kinderfest“) auf dem 6. Konzil von Konstantinopel verboten. Der Grund war, dass das Fest mit einem „Narrenfest“ zusammenhing und die Narreteien hatten möglicherweise nicht-christliche Ursprünge, etwa die orientalischen Narrenkönige oder die römischen Saturnalien. Es ist nicht gänzlich geklärt, wie das Fest der unschuldigen Kinder mit närrischem Treiben zusammenkam. Eine Theorie besagt, dass die Streiche und ursprünglich heidnischen Ursprungs waren und ähnlich den Silvestertraditionen mit Böllern und Raketen dazu dienen sollte, böse Geister zu vertreiben. Das Datum würde für diese Theorie sprechen, ebenso die Tatsache, dass sich heidnische Bräuche oft in der einfachen Bevölkerung hielten, auch wenn die Kirche dies nie gerne sah.

Da der Brauch in der Bevölkerung allerdings sehr beliebt war, hielt er sich u.a. in Spanien und Lateinamerika. Es werden Scherzartikel verkauft und den Mitmenschen Streiche gespielt. Auf Spanisch heißt inocente nicht nur „unschuldig“, sondern auch „naiv“  – was wieder mit Kindern in Verbindung gebracht werden könnte – oder  auch „dumm“. Aus diesem Grunde soll die spanische Verfassung von 1978 erst am 29. Dezember inkraft getreten sein, damit sie nicht als „Aprilscherz“ galt.

Bis morgen!

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27. Türchen: Die Schicksalsurne

Die eigentlichen Weihnachtsfeiertage sind zu Ende, sowohl in Spanien als auch in Deutschland. Dennoch komme ich heute noch einmal auf Heiligabend zurück und auf einen Brauch, den es sowohl in Spanien als auch in Italien gibt: die Schicksalsurne.

Woher die Urne genau stammt, ist nicht bekannt. Möglicherweise stammt sie von der römischen urna sortium ab, einer Lostopf, aus der man sein Los oder Schicksal erfahren konnte, etwa ob man sterben würde oder nicht. Schon im alten Griechenland, so sagt Ammianus Marcellinus (Res Gestae 14,11,25f.), kontrollierte Nemesis, die Göttin der Rache und des gerechten Zorns, diese Urne.
Das hat sich bis heute geändert, denn obwohl die Urne des Schicksals immer noch eine Art Lotterie ist, geht es jetzt um kleine Geschenke – oder eben Nieten.

Am Heiligabend wird die urna del destino (= Schicksalsurne) nach einem üppigen Essen auf den Tisch gestellt und alle Familienmitglieder nehmen an der Ziehung teil. dabei wird so lange gezogen, bis jeder in der Familie ein Geschenk hat oder die Urne leer ist. Die eigentlichen Geschenke werden traditionell erst am 6. Januar verteilt, auch wenn sich dies teilweise ändert. In der Schicksalurne dagegen gibt es nur Kleinigkeiten. Wer Pech hat, zieht eine Niete, ganz so wie bei einer richtigen Lotterie. Dieser Brauch hat sich in Italien ins ganz ähnlicher Form gehalten und gilt ebenfalls als familiärer Brauch.

Vielfach wird dieser Brauch dazu genutzt, nicht nur als Familie zusammenzusitzen, sondern auch, um Weihnachtslieder (Villancicos) zu singen Turrones zu essen. Erst danach geht es in die Mitternachtsmesse, die Misa del Gallo (= Hahnenmesse).

Das Wort urna (Span. für „Urne“) stammt aus dem Lateinischen, urna, und hat sowohl in die spanische als auch die deutsche Sprache geschafft. In beiden Sprachen hat das Wort mehrere Bedeutungen, z.B. Wahlurne, Lostrommel oder Bestattungsurne. Auch in andere Sprachen wie das Katalanisch (urna), Italienische (ebenfalls urna) oder Französische (urne) hat das Wort es geschafft. Das Schicksal hat es gut gemeint mit der Urne.

Bis morgen!

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25. Türchen: Der erste Weihnachtstag

Heute geht der Adventskalender in die Nachspielzeit. Da die Weihnachtszeit in Spanien ja bis zum 6. Januar geht, wird auch dieser Adventskalender bis dann verlängert.

Der 25. Dezember ist der Weihnachtstag, der in ganz Spanien gilt und überall im Land ein Feiertag ist. Der 26. Dezember ist nur in einigen Teilen des Landes, etwa Katalonien, ein weiterer Feiertag, im übrigen Land wird wieder gearbeitet. Der Weihnachtstag heißt auf Spanisch La Navidad del Señor, auf Deutsch in etwa „die Geburt des Herrn“. Auch die Bezeichnung Pascuas de Navidad ist gebräuchlich. Wer etwas Spanisch kann, wird sich direkt an ein anderes Pascuas erinnert fühlen, nämlich Ostern. Nun, indirekt hängt auch das eine mit dem anderen Wort zusammen, zumindest in linguistischer Hinsicht. Denn Pascuas hat die Bedeutung von „wichtiges Fest“, eine Übersetzung, die in vielen Wörterbüchern fehlt. Daher bedeutet Pascuas de Navidad in etwa „Wichtiges Fest der Geburt“, natürlich auf Jesus Christus gemünzt. Zum Vergleich, es gibt auch Pascuas de Pentecostés, womit Pfingsten gemeint ist.)

Der Weihnachtstag wird eher ruhig und meist in Familie begangen. Für Katholiken, zumindest den gläubigen, ist an diesem Tag der Kirchgang Pflicht. Wie am Heiligabend auch wird wieder ein großes Festmahl aufgetischt, das erneut so variantenreich und von Familie zu Familie unterschiedlich ist wie tags zuvor. Gemeinsam ist allen Familien jedoch, dass das Festessen üppiger ausfällt als im Alltag – Festessen eben. Es setzt sich auch zunehmend durch, an diesem hohen Feiertag auswärts im Restaurant zu essen.

Am Weihnachtstag wird in vielen Familien (noch) gesungen – spanische Weihnachtslieder hatte ich ja bereits vorgestellt. In diesem Zusammenhang verweise ich noch auf das ursprünglich katalanische Weihnachtslied Fum, fum, fum (Rauch, Rauch, Rauch – mallorquinische Version der Gruppe Música Nostra und hier eine Version der amerikanischen Gruppe Mannheim Steamroller). Es gibt auch Übersetzungen ins Englische, Deutsche oder auch Spanische.

Das Singen und der Kirchgang nimmt in den nachfolgenden Generationen ab. Jüngere Leute verbringen Weihnachten auch gerne mit der „Wahlfamilie“, sprich den Freunden. Interessanterweise kehren viele, wenn sie dann selbst Kinder haben, wieder zu den traditionellen Bräuchen zurück und geben diese an den eigenen Nachwuchs weiter.

Bis morgen!

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24. Türchen: Heiligabend

Heute ist Heiligabend. das möchte ich zum Anlass nehmen, allen Leserinnen und Lesern ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest zu wünschen. Mögen Eure und Ihre Wünsche alle in Erfüllung gehen.

Heiligabend (auf Spanisch: Nochebuena) wird in Spanien traditionell mit einem großen Abendessen im Familienkreis gefeiert. Vielerorts gibt es Truthahn, aber nicht nur. Über die Vielfalt des spanischen Weihnachtsessens hatte ich bereits gestern berichtet. In den letzten Jahren gehen viele Familien auch in Restaurants und essen dort, wobei dies von Familie zu Familie unterschiedlich ist.
Nach dem Dessert steht die Urne des Schicksals auf dem Tisch. Sie ist mit kleinen Geschenken, aber auch Nieten gefüllt und jeder Anwesende darf ziehen. Es wird so lange gezogen, bis jeder ein Geschenk gezogen hat. Dabei handelt es sich um Kleinigkeiten, denn die eigentlichen Geschenke kommen traditionell am 6. Januar.
In Katalonien schließt sich an das Essen für die Kinder der Caga Tió an. Die Kinder schlagen bei diesem katalanischen Brauch mit Stöcken auf den Tió und dieser „scheißt“ Geschenke. Aber auch für Katalonien gilt, dass die eigentlichen Geschenke erst zu Dreikönig am 6. Januar folgen.

Nach dem Essen geht die Familie in die Mitternachtsmesse, die Misa de Gallo (= Hahnenmesse). Der Name kommt von dem Hahn, der die Geburt Jesu verkündet haben soll. In der Messe werden Weihnachtslieder gesungen und natürlich die aufgestellte Krippe betrachtet. Nach Ende der Mitternachtsmesse versammelt man sich auf einem öffentlichen Platz, entzündet ein großes Feuer und singt gemeinsam Weihnachtslieder. Erst spät kommen die Kirchgänger wieder nach Hause, teilweise erst in den frühen Morgenstunden.

Seit einigen Jahren schleichen sich nord- und mitteleuropäische sowie nordamerikanische Bräuche in den spanischen Heiligabend ein. Dazu zählen u.a. das Aufstellen eines Weihnachtsbaums oder das Verteilen der Geschenke bereits am 24. Dezember. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Bräuche vollends durchsetzen oder die Spanien bei ihren eigenen Bräuchen bleiben. Vielleicht wird es eines Tages eine Mischung geben und es werden sowohl an Heiligabend als auch am Dreikönigstag Geschenke verteilt? Wer weiß…

Bis morgen!

 

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23. Türchen: Weihnachtsessen

Heute wird es kulinarisch. Wie jede gute Hausfrau widmet sich auch dieser Adventskalender dem Weihnachtsmenü bereits vor dem eigentlichen Fest. Und das ist auch gut so, denn es gibt einiges zu berichten.

Das klassische Weihnachtsmenü gibt es in Spanien nicht. Weit verbreitet ist zwar gebratener Truthahn, aber auch nicht überall. Gemeinsam haben alle Festessen, dass sie aus mehreren Gängen bestehen. Sie beginnen alle mit den typischen spanischen Appetithäppchen, den Tapas. Aber schon hier werden die Unterschiede deutlich, denn welche Tapas gegessen werden, variiert nicht nur von Region zu Region, sondern auch von Familie zu Familie. Typische Tapas sind z.B. Mejillones (Miesmuscheln), Almejas (Venusmuscheln, Aceitunas (Oliven), aber auch Jamón Serrano (Serrano-Schinken), Gambas (Garnelen), Tortilla (Eieromelett), Albóndigas (Fleischklößchen), Queso (Käse) und vieles mehr. Tapas sind unglaublich variantenreich.

Dann folgen der erste und der zweite Gang. Auch hier gibt es sowohl regionale als auch individuelle Unterschiede, was jeweils auf den Tisch kommt. Fisch und Fleisch sind gleichermaßen beliebt, es stehen gerne u.a. Lamm, Braten und Truthahn, aber auch Meerbrasse, Austern oder andere Meeresfrüchte auf der Speisekarte. Als Gemüse ist Rotkohl beliebt, wird jedoch auch nicht überall gegessen. Wie gesagt, das Menü wird sehr individuell zusammengestellt. Zum Essen werden gerne gute Rot- und Weißweine serviert, etwa aus der Rioja, einem der bekanntesten spanischen Weinanbaugebiete.

Auf die beiden Hauptgänge folgen der Nachtisch und später Kaffee (oder neuerdings auch immer mehr Tee). Die Nachspeise ist genauso vielfältig und farbenfroh wie die Hauptgänge – aber vor allem kalorienreich! Auch gilt wieder: jede Familie wählt einen eigenen Nachtisch, auch hier gibt es nichts, was im ganzen Land verbreitet wäre. Allerdings sind die Zutaten für die Nachspeisen recht ähnlich: Mandeln in allen Variationen, Zucker, Obst, Kakao, Pudding und Honig – Schleckermäuler finden hier ihr Eldorado. Gerne wird auch Selbstgebackenes aufgetischt, etwa Kuchen oder Kekse, in manchen Familien gibt es auch Eis, wieder in allen Varianten.

Zum Kaffee werden oft Turrones serviert, von denen ja bereits am 2. Dezember die Rede war. Wer den Blogbeitrag gelesen hat, weiß, wie vielfältig auch Turrones sind.

Der krönende Abschluss bildet Schaumwein. Zu Weihnachten wird, wie beim wein, gerne einmal eine gute Flasche geöffnet. Oft handelt es sich dabei um einen Cava aus Katalonien – Marken wie Freixenet oder Codorníu sind auch in Deutschland längst ein Begriff geworden.

Wer bis hierher gelesen hat, wird es ahnen: Der weihnachtliche Festschmaus dauert in Spanien oft mehrere Stunden. Aber zu Weihnachten darf man es sich gut gehen lassen, oder?

Bis morgen!

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